Eine glasklare Sache (30.03.2022)

    Glas ist aus unserem Leben kaum mehr wegzudenken und gehört zu einem modernen «Lifestyle». Für die wichtige Rolle, die Glas in unserer Gesellschaft spielt, haben die Vereinten Nationen 2022 zum «Jahr des Glases» erkoren. Glas hat jedoch auch Schattenseiten: Jährlich sterben Millionen Vögel an Kollisionen mit Glas – was sich mit einfachen Massnahmen leicht verhindern liesse.

    Die unentgeltliche Verwendung ist ausschliesslich im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung gestattet. Das korrekte Ausweisen des Fotoautors wird vorausgesetzt.

    Sempach. – Trotz ihrer hervorragenden Augen sind Vögel nicht in der Lage, Glas zu erkennen. Der Tod an Scheiben ist heute eines der grössten Vogelschutzprobleme überhaupt. Millionen von Vögeln kommen allein in der Schweiz jedes Jahr um, weil sie mit Glas kollidieren. Es stellt eine doppelte Gefahrenquelle dar: Transparente Scheiben werden von Vögeln nicht als Hindernis erkannt, und stark spiegelnde Scheiben reflektieren Bäume, Büsche oder den Himmel und täuschen so einen Lebensraum vor.

    Aber nicht jede Scheibe ist gleich problematisch: Besonders gefährlich sind etwa stark spiegelnde Scheiben, transparente Balkon- und Eckverglasungen, gläserne Lärmschutzwände oder Wintergärten. An bestehenden Scheiben lässt sich die Gefahr dadurch bannen, dass Glas mittels Markierungen sichtbar gemacht wird Auf Markierungen im UV-Bereich und die bekannten Greifvogelsilhouetten sollte dabei verzichtet werden. Sie schrecken Vögel nicht ab und wirken kaum.

    Nur eine flächig wirkende, sich möglichst von der Umgebung abhebende Markierung bringt den nötigen Schutz. Dabei haben sich Lösungen mit Streifen und Punktraster in Tests als besonders wirkungsvoll erwiesen. Auf der Fensteraussenseite angebracht, können aber auch Jalousien, Dekorationen, Firmensignete oder Zeichnungen mit Fingerfarben helfen, die Gefahr für Vögel zu reduzieren. Die Vögel freuen sich, wenn weitere fantasievolle und ästhetisch interessante Lösungen umgesetzt werden!

    Noch wirkungsvoller ist es, wenn beim Bau so weit wie möglich auf Glas verzichtet wird oder bereits bei der Planung für Vögel gefährliche Stellen entschärft werden. So können Zeit, Nerven und Folgekosten für Nachrüstungen eingespart werden und gleichzeitig viele Vögel vom Tod an Scheiben bewahrt werden – eine glasklare Sache!

    Weitere Informationen
    Vogelkollisionen an Glas vermeiden: www.vogelwarte.ch/glas
    Vogelfreundliches Bauen mit Glas: www.vogelglas.vogelwarte.ch
     

     

    Glasopfer – was tun?

    Gelegentlich findet man einen Vogel, der teilnahmslos am Boden sitzt und trotz Annäherung nicht wegfliegt. Wenn er keine sichtbaren Verletzungen aufweist, handelt es sich wahrscheinlich um ein Scheibenopfer. Solche Vögel legt man am besten in eine Schuhschachtel mit Luftlöchern und stellt die Schachtel für 2-3 Stunden an einen warmen, dunklen und ruhigen Ort. Die Schachtel kann mit Haushaltpapier ausgekleidet werden, der Vogel sollte aber nicht gefüttert oder mit Wasser versorgt werden. Nach 2-3 Stunden kann man draussen die Schachtel öffnen. Fliegt der Vogel nicht von selbst weg, gehört er in eine Pflegestation. Die Vogelwarte ist während der Bürozeiten unter 041 462 97 00 erreichbar und kann die nächste Pflegestation vermitteln.

    Weitere Auskünfte

    Livio Rey
    Schweizerische Vogelwarte
    6204 Sempach
    Tel. 041 462 97 14
    livio.rey@vogelwarte.ch